Nicht raten, was schiefgehen könnte
Threat Modeling verbindet ein verstandenes System mit strukturierten Fragen zu Bedrohungen, Maßnahmen und verbleibenden Risiken.
Eine neue Schnittstelle soll „nur schnell“ angebunden werden
Das Fachverfahren erhält einen externen Dienst. Funktional ist die Änderung klein. Sicherheitlich entstehen aber neue Datenflüsse, eine neue Vertrauensgrenze und neue Annahmen. Threat Modeling macht diese Veränderung besprechbar, bevor aus einer Annahme ein Incident wird.
Vier Fragen reichen als Einstieg
Woran arbeiten wir?
Scope, System, Nutzer, Abhängigkeiten, Annahmen und Vertrauensgrenzen verstehen.
Was kann schiefgehen?
Bedrohungen, Missbrauch, Fehlannahmen und unerwünschte Wirkungen identifizieren.
Was tun wir dagegen?
Risiken priorisieren und Maßnahmen, Designänderungen oder Tests bestimmen.
War es gut genug?
Ergebnis prüfen, Annahmen und Restrisiken nachhalten und bei Änderungen wiederholen.
STRIDE hilft bei der Bedrohungssuche – ersetzt aber kein Threat Modeling
STRIDE steht für Spoofing, Tampering, Repudiation, Information Disclosure, Denial of Service und Elevation of Privilege. Die Merkhilfe strukturiert mögliche Bedrohungsarten. Die Methode ersetzt weder das Systemmodell noch die Risikobewertung oder die Entscheidung über Maßnahmen. OWASP weist ausdrücklich darauf hin, dass es verschiedene Threat-Modeling-Methoden gibt und keinen einzigen offiziellen OWASP-Ansatz.
Threat Modeling darf mit dem System mitwachsen
Das von Autodesk stammende Continuous Threat Modeling (CTM) beschreibt Threat Modeling als evolutionäre, dynamische Methodik für sich verändernde Architekturen und agile Teams. Das ist für unser Framework vor allem als Prinzip interessant: Eine relevante Änderung ist ein Anlass, das bestehende Modell gezielt neu zu betrachten – nicht jedes Mal bei null zu beginnen.
Beispiele sind Lernmaterial – keine normative Methode
Das von dir genannte Video ist verifizierbar als „Live Threat Modeling of an Online Food Ordering System“ von Luis Servin, veröffentlicht durch Open Security Summit am 15.02.2023. Die Seite threatmodel.us beschreibt einen DEF-CON-34-Wettbewerb, bei dem Teilnehmer einen dokumentierten Systementwurf prüfen, Findings berichten und konkrete Guidance liefern. Beides nutzen wir als Praxis-/Lernquelle, nicht als normative Grundlage.
Was aus der Sitzung herauskommen muss
Scope und Systemmodell, dokumentierte Annahmen, identifizierte Threats, priorisierte Folgeschritte und nachvollziehbare Entscheidungen. Das Ergebnis gehört in das Threat Model und – sobald ein bewertbares Geschäftsszenario entsteht – in das Risk Register.
Erst das System verstehen – dann nach Bedrohungen fragen
STRIDE beantwortet nicht die Frage, was unser System ist. Deshalb beginnen wir mit einfachen, langlebigen Fragen zu Schutzobjekt, Akteur, Zweck, System, Ein-/Ausgängen, Datenfluss und Vertrauensgrenzen.
Was ist schützenswert: Information, Funktion, Asset oder Geschäftsleistung?
Welche Person, Rolle, Organisation oder welches System interagiert damit?
Welcher legitime Geschäfts- oder Anwendungszweck steckt dahinter?
Welche Systeme, Dienste, Komponenten und Abhängigkeiten sind beteiligt?
Wo liegen Entry/Exit Points und Vertrauensgrenzen (Trust Boundaries)?
Wie bewegen sich Daten, Identitäten und Aktionen durch das System?
Jetzt hilft STRIDE, die Bedrohungssuche systematisch zu strukturieren.
Beispiel: Eine Rechnung wird hochgeladen und freigegeben
| STRIDE | Einfache Frage | Im Beispiel |
|---|---|---|
| S – Spoofing | Kann sich jemand als jemand anderes ausgeben? | Kann jemand mit fremden Zugangsdaten eine Rechnung einstellen oder freigeben? |
| T – Tampering | Kann jemand etwas unbemerkt verändern? | Können IBAN oder Betrag nach der Prüfung verändert werden? |
| R – Repudiation | Kann jemand eine Handlung später bestreiten? | Können wir nachvollziehen, wer eingestellt, geändert und freigegeben hat? |
| I – Information Disclosure | Kann jemand Informationen sehen, die er nicht sehen darf? | Können Unberechtigte Rechnungs- oder Bankdaten lesen? |
| D – Denial of Service | Kann die Nutzung verhindert werden? | Was passiert, wenn das System zum Zahlungslauf nicht verfügbar ist? |
| E – Elevation of Privilege | Kann jemand mehr Rechte erhalten als vorgesehen? | Kann ein normaler Benutzer eine Freigaberolle erlangen oder umgehen? |
Vertiefung: OWASP Threat Modeling Project · OWASP Threat Modeling Cheat Sheet · Microsoft Learn – Threat Modeling Fundamentals
Worauf diese Seite gestützt ist
Threat Modeling Manifesto
Vier grundlegende Fragen als methodenneutraler Rahmen.
OWASP Threat Modeling Project
Maintained Guidance; dokumentiert verschiedene Methoden einschließlich STRIDE.
Continuous Threat Modeling
Fork der Autodesk-Methodik; evolutionärer und dynamischer Ansatz.
Open Security Summit Video
Verifiziertes Praxisvideo von Luis Servin: Live Threat Modeling eines Online-Food-Ordering-Systems.
DC's Next Top Threat Model
DEF-CON-34-Wettbewerb als Praxis-/Übungsquelle.