Stephan VossISO (Information Security Officer)stephan.voss@stephan-voss.deLinkedIn
ISMS-GRC-WEBGOVERNANCE · RISK · COMPLIANCE · ASSURANCE
BEGRIFFE

Glossar

Kurz erklärt – nur Begriffe, die zum Verständnis des Frameworks wirklich helfen.

Asset

Etwas, das die Organisation zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigt oder dessen Beeinträchtigung Auswirkungen auf Geschäftsleistungen haben kann. Dazu können Informationen, Prozesse, Anwendungen, IKT-Komponenten, Dienste und externe Abhängigkeiten gehören.

Asset Owner

Verantwortet die fachliche Bedeutung und die Anforderungen eines Assets. Asset Owner, Risk Owner und Control Owner können unterschiedliche Rollen sein.

Assurance

Begründetes Vertrauen, dass Vorgaben, Controls und Prozesse nicht nur beschrieben oder umgesetzt sind, sondern wie vorgesehen funktionieren. Assurance entsteht durch geeignete Evidence und Prüfung.

ATT&CK

MITRE ATT&CK – Adversarial Tactics, Techniques & Common Knowledge. Wissensbasis und Modell für beobachtetes Verhalten von Cyber-Angreifern. ATT&CK strukturiert insbesondere Taktiken, Techniken und Sub-Techniken; es ist keine Risikobewertungsmethode.

Attack Path

Mögliche Abfolge von Schritten zu einem Angriffsziel.

Baseline

Definierter Sollzustand.

Business Impact

Auswirkung einer Störung, eines Ausfalls oder eines Risikos auf Geschäftsleistung, Ziele oder Verpflichtungen. Erst dieser Bezug macht technische Probleme für die Organisation bewertbar.

Capability

Fähigkeit der Organisation. Der englische Fachbegriff Capability wird im Framework verwendet, wenn die Verbindung zu externen Referenzmodellen wichtig ist.

CAPEC

Common Attack Pattern Enumeration and Classification – öffentlich verfügbarer Katalog typischer Angriffsmuster. CAPEC hilft insbesondere dabei zu verstehen, wie bekannte Schwächen ausgenutzt werden können.

CIS RAM

Center for Internet Security Risk Assessment Method – Methode zur Informationssicherheits-Risikobewertung im Umfeld der CIS Controls.

Control

Steuerungs- oder Kontrollmechanismus. Ein Control beschreibt, wie ein Ziel, Risiko oder eine Anforderung gezielt beeinflusst wird.

Control Owner

Verantwortet die Ausgestaltung, den Betrieb oder die Pflege eines Controls. Er entscheidet nicht automatisch über das damit behandelte Risiko.

Control Testing

Gezielte Prüfung, ob ein Control wie vorgesehen ausgestaltet und tatsächlich wirksam ist. Vorhandene Dokumentation allein beweist diese Wirksamkeit nicht.

CSF

Cybersecurity Framework – hier insbesondere das NIST Cybersecurity Framework 2.0. Es strukturiert Cybersecurity-Risikomanagement über die Funktionen GOVERN, IDENTIFY, PROTECT, DETECT, RESPOND und RECOVER.

CVSS

Common Vulnerability Scoring System – offenes Framework zur standardisierten Beschreibung technischer Eigenschaften und der Schwere von Schwachstellen. Ein CVSS-Wert ist nicht automatisch das Geschäftsrisiko der eigenen Organisation.

D3FEND

Detection, Denial, and Disruption Framework Empowering Network Defense – MITRE-Wissensgraph für defensive Cybersecurity-Gegenmaßnahmen und deren Beziehungen zu offensiven Techniken.

Detection Engineering

Methodisches Entwickeln und Testen von Erkennungslogik.

Diamond Model

Modell zur Intrusion-Analyse mit vier Kernelementen: Adversary, Infrastructure, Capability und Victim. Es strukturiert Beziehungen beobachteter Angriffsevents, ersetzt aber keine Risikobewertung oder belastbare Attribution.

ERM

Enterprise Risk Management – unternehmensweite Steuerung von Risiken im Zusammenhang mit Zielen und Entscheidungen; Cyberrisiken sind dabei eine Risikodimension unter mehreren.

Evidence

Nachweis. Information oder Artefakt, an dem Umsetzung oder Zustand nachvollzogen werden kann; Evidence allein ist noch kein Wirksamkeitsnachweis.

Exception

Bewusst genehmigte, begrenzte Abweichung von einer Vorgabe. Sie braucht Begründung, Verantwortlichkeit, Risikobetrachtung und in der Regel eine Befristung.

FAIR

Factor Analysis of Information Risk – faktorbasierter Standard zur Analyse der Faktoren, die Informationsrisiken bestimmen. FAIR kann zur qualitativen oder quantitativen Betrachtung genutzt werden; häufig wird Risiko in finanziellen Größen quantifiziert.

Finding

Feststellung. Ergebnis einer Prüfung, das einen beobachteten Zustand oder eine Abweichung beschreibt.

GRC

Governance, Risk & Compliance – integrierte Steuerung von Zielen, Unsicherheit, Verpflichtungen und Nachweisen.

Guardrail

Begrenzung, die unerwünschtes Systemverhalten verhindern oder begrenzen soll.

Inherent Risk

Risiko vor Berücksichtigung der dafür vorgesehenen risikomindernden Controls.

KPI

Key Performance Indicator – Kennzahl zur Leistung/Zielerreichung.

KRI

Key Risk Indicator – Kennzahl für Veränderungen von Risikofaktoren.

MFA

Multi-Factor Authentication – Authentisierung mit unterschiedlichen Faktorarten.

NICE Framework

NIST Workforce Framework for Cybersecurity. Es beschreibt Cybersecurity-Arbeit unter anderem über Aufgaben (Tasks), Wissen (Knowledge), Fähigkeiten (Skills) und Work Roles.

Objective · Ziel

Erwartetes Ergebnis, das als Bezugspunkt für Governance, Risikoentscheidungen und Wirksamkeitsbewertung dient.

Obligation · Verpflichtung

Bindung der Organisation, aus der konkrete Anforderungen entstehen können, etwa aus Recht, Vertrag, interner Entscheidung oder anderen verbindlichen Quellen.

PAM

Privileged Access Management – besondere Steuerung privilegierter Zugriffe.

RAG

Retrieval-Augmented Generation – externe Inhalte werden in den Modellkontext eingebracht.

Requirement · Anforderung

Konkrete Aussage darüber, was erfüllt sein muss. Eine Anforderung kann aus einer Verpflichtung, internen Vorgabe, Entscheidung oder fachlichen Notwendigkeit entstehen.

Residual Risk / Restrisiko

Risiko, das nach Berücksichtigung bestehender oder umgesetzter Controls verbleibt und bewusst bewertet werden muss.

Risk Acceptance

Bewusste Entscheidung, ein bewertetes Risiko beziehungsweise Restrisiko innerhalb festgelegter Entscheidungsbefugnisse zu tragen.

Risikoappetit (Risk Appetite)

Grundsätzliche Bereitschaft der Organisation, bestimmte Arten und Ausmaße von Risiko im Verhältnis zu ihren Zielen einzugehen oder zu tragen. Konkrete Grenzen werden über Risikotoleranzen operationalisiert.

Risikoeigner (Risk Owner)

Rolle mit Mandat, über Behandlung oder Akzeptanz eines konkreten Risikos innerhalb festgelegter Grenzen zu entscheiden. Risk Owner und Control Owner sind nicht automatisch dieselbe Rolle.

Risikotoleranz (Risk Tolerance)

Konkrete akzeptable Abweichung oder Schwelle innerhalb des Risikoappetits. Sie unterstützt Entscheidungen und Eskalation, ersetzt aber keine Bewertung des einzelnen Risikos.

Risikobehandlung (Risk Treatment)

Bewusste Behandlung eines Risikos, etwa durch Vermeiden, Mindern, Teilen beziehungsweise Übertragen oder Akzeptieren. Entscheidend sind erwartete Wirkung, Restrisiko und verantwortete Entscheidung.

SBOM

Software Bill of Materials – strukturierte Stückliste von Softwarekomponenten.

SDLC

Software Development Life Cycle – Lebenszyklus für Entwicklung, Änderung, Test, Bereitstellung und Pflege von Software.

SIEM

Security Information and Event Management – Sammlung/Korrelation/Auswertung sicherheitsrelevanter Ereignisse.

SSDF

Secure Software Development Framework – NIST-Rahmen mit grundlegenden sicheren Entwicklungspraktiken, die in unterschiedliche Software Development Life Cycles integriert werden können.

STRIDE

Merkhilfe für sechs Bedrohungskategorien: Spoofing, Tampering, Repudiation, Information Disclosure, Denial of Service und Elevation of Privilege. STRIDE unterstützt die Bedrohungsidentifikation, ersetzt aber keine vollständige Risikobewertung.

Threat Intelligence

Bewertete Bedrohungsinformationen für konkrete Entscheidungen.

Three Lines Model

Governance-Modell des Institute of Internal Auditors (IIA), das Rollen von Governing Body, Management sowie unabhängiger Internal Audit und deren Beziehungen unterscheidet. Es ist prinzipienbasiert und keine starre Organisationsvorgabe.

TTP

Tactics, Techniques and Procedures – beschreibt auf unterschiedlichen Ebenen, warum ein Angreifer handelt, wie er ein Ziel erreicht und wie das konkrete Vorgehen umgesetzt wird.

Vulnerability Disclosure

Geordnetes Verfahren zur Meldung entdeckter Schwachstellen.

Zero Trust

Architekturprinzip, bei dem kein implizites Vertrauen allein aufgrund von Netzwerkstandort oder Zugehörigkeit gewährt wird. Zugriff auf Ressourcen wird explizit authentisiert und autorisiert und kann dynamischen Kontext berücksichtigen.

Post-Implementation Review (PIR)

Nachbetrachtung einer umgesetzten Änderung: Zielerreichung, unerwartete Auswirkungen, Abweichungen und mögliche Verbesserungen werden bewertet.

Root Cause Analysis (RCA)

Strukturierte Ursachenanalyse bei relevanten oder wiederkehrenden Fehlern und Störungen. Sie unterstützt dabei, zugrunde liegende Ursachen zu verstehen und Wiederholungen gezielt zu vermeiden.

GRC-KERNBEGRIFFE

Begriffe für Steuerung und Wirksamkeit

Chance / positives Risiko

Unsicherheit mit möglicher positiver Wirkung auf die Zielerreichung. Sie wird nicht automatisch „maximiert“, sondern im Verhältnis zu Nutzen, Exposition und Toleranz entschieden.

Problem (Issue)

Zu behandelnder Sachverhalt, der sich aus einem oder mehreren Findings oder anderen Signalen ergeben kann.

Design-Wirksamkeit

Beurteilung, ob eine vorgesehene Steuerung grundsätzlich geeignet ist, das beabsichtigte Ziel zu erreichen.

Betriebswirksamkeit

Beurteilung, ob eine geeignete Steuerung im tatsächlichen Betrieb wie vorgesehen funktioniert.