Stephan VossISO (Information Security Officer)stephan.voss@stephan-voss.deLinkedIn
ISMS-GRC-WEBGOVERNANCE · RISK · COMPLIANCE · ASSURANCE
GOVERNANCE

Ownership & Entscheidung

Verantwortung ist erst dann steuerbar, wenn klar ist, wer entscheiden darf, welche Informationen dafür benötigt werden und wann eskaliert werden muss.

LERNHILFE · THREE LINES MODEL

Steuern, unterstützen und unabhängig prüfen sind unterschiedliche Rollen

Das Three Lines Model des Institute of Internal Auditors (IIA) trennt nicht einfach drei Abteilungen. Es beschreibt Rollen im Governance-System: Management handelt und managt Risiko, spezialisierte Funktionen unterstützen und überwachen, Internal Audit liefert unabhängige Assurance.

GOVERNING BODY

Gibt Richtung, delegiert Verantwortung und überwacht die Zielerreichung.

MANAGEMENT · FIRST LINE ROLES

Erbringt Leistungen und managt die damit verbundenen Risiken.

SECOND LINE ROLES

Bringen Expertise, Unterstützung, Monitoring und Challenge zu Risikothemen ein.

INTERNAL AUDIT · THIRD LINE

Liefert unabhängige und objektive Assurance und Beratung.

Beispiel: Eine kritische Ausnahme soll verlängert werden

Das Management verantwortet die Geschäftsentscheidung und das Risiko. Eine Security-/Risk-Funktion kann bewerten, beraten und challengen. Eine unabhängige Revision kann später prüfen, ob Governance und Risikobehandlung angemessen funktionierten. Diese Rollen sollten nicht unbemerkt ineinanderfallen.

Wichtig: Das aktuelle IIA-Modell ist prinzipienbasiert und soll an Größe und Umstände der Organisation angepasst werden. „Drei Linien“ bedeutet daher nicht, dass drei eigenständige Abteilungen vorhanden sein müssen.

Vertiefung: IIA – aktuelle Statements of Position / Three Lines Model.

BEISPIEL AUS DEM TAGESGESCHÄFT

Eine Anwendung wird von vielen betrieben – aber wer entscheidet?

Die Personalabteilung nutzt eine Anwendung täglich. Die IT betreibt Server und Zugänge. Ein externer Dienstleister wartet die Software. Nun soll eine sicherheitsrelevante Änderung umgesetzt werden, die den Arbeitsablauf verändert. Die technische Umsetzung ist klar – die Entscheidung darüber aber nicht.

Die eigentliche Governance-Frage: Wer darf Nutzen, Risiko, Aufwand und Auswirkungen gegeneinander abwägen und eine verbindliche Entscheidung treffen?
AM BEISPIEL ARBEITEN

Aus Beteiligung wird eindeutige Verantwortung

01
Gegenstand klären

Worum wird entschieden: Geschäftsprozess, Anwendung, Risiko, Control, Ausnahme oder Änderung?

02
Fachliche Bedeutung zuordnen

Die Personalabteilung kann erklären, wofür die Anwendung benötigt wird und welche Folgen Änderungen oder Ausfälle haben.

03
Entscheidungskompetenz festlegen

Der Owner muss nicht selbst administrieren. Er muss aber innerhalb definierter Grenzen entscheiden oder eine Eskalation auslösen können.

04
Umsetzung trennen

IT und Dienstleister setzen um. Damit übernehmen sie nicht automatisch die fachliche Risikoentscheidung.

05
Entscheidung nachvollziehbar machen

Entscheidungsgrundlage, Beteiligte, Ergebnis, Auflagen und gegebenenfalls Reviewtermin werden dokumentiert.

WORAUF ACHTEN?

Owner ist keine dekorative Spalte im Register

KOMPETENZ

Darf die Rolle entscheiden?

Verantwortung ohne Befugnis erzeugt nur einen Namen auf dem Papier.

INFORMATION

Kann die Rolle entscheiden?

Der Owner braucht verständliche Informationen über Geschäftsauswirkung, Risiko und Handlungsoptionen.

ESKALATION

Wo endet die Befugnis?

Für Entscheidungen außerhalb des Mandats muss ein klarer Eskalationsweg bestehen.

OWNER-TYPEN

„Owner“ ist keine universelle Rolle

Ownership bedeutet immer Verantwortung für einen bestimmten Gegenstand. Deshalb muss erkennbar sein, worüber die Rolle entscheiden oder wofür sie Rechenschaft geben soll.

Business-/Process Owner

Verantwortet fachliche Ziele, Prioritäten und Auswirkungen eines Prozesses oder einer Leistung.

Asset Owner

Verantwortet fachliche Bedeutung, Schutz- und Nutzungsanforderungen sowie notwendige Entscheidungen zum Asset – nicht automatisch dessen technische Administration.

Risk Owner

Entscheidet innerhalb seines Mandats über Behandlung oder Akzeptanz eines konkreten Risikos.

Control Owner

Verantwortet Ausgestaltung, Betrieb oder Pflege eines Controls und die dafür vorgesehenen Nachweise.

Requirement Owner

Sorgt dafür, dass eine konkrete Anforderung verstanden, zugeordnet und über ihren Lebenszyklus verfolgt wird.

Action Owner

Verantwortet die Umsetzung einer beschlossenen Maßnahme bis zum nachvollziehbaren Abschluss.

GEMEINSAMER KERN

Ownership braucht Mandat, Information, Review und Eskalation

Unabhängig vom Typ muss ein Owner den Gegenstand kennen, verständliche Entscheidungsinformationen erhalten, innerhalb definierter Grenzen handeln können, relevante Änderungen oder Abweichungen verfolgen und regelmäßig prüfen, ob die Zuordnung noch passt. Reicht das Mandat nicht aus, muss ein festgelegter Eskalationsweg greifen.

OUTPUT & EVIDENCE

Was nach der Seite konkret feststehen sollte

GegenstandWofür Ownership gilt
OwnerVerantwortliche Rolle
MandatEntscheidungs- und Eskalationsgrenzen
Decision RecordNachvollziehbare Entscheidung
Nächster GRC-Schritt: Die Entscheidung fließt in Risiko-, Control-, Change- oder Exception-Prozesse ein und wird dort weiterverfolgt.