Stephan VossISO (Information Security Officer)stephan.voss@stephan-voss.deLinkedIn
ISMS-GRC-WEBGOVERNANCE · RISK · COMPLIANCE · ASSURANCE
CYBERSECURITY CAPABILITY

Identity Security & Privileged Access Management (PAM)

Nicht „Wer hat ein Konto?“, sondern „Wer darf warum was tun – und gilt das morgen noch?“ ist die entscheidende Frage.

BEISPIEL AUS DEM TAGESGESCHÄFT

Ein Kollege wechselt die Aufgabe – seine alten Rechte bleiben

Ein Mitarbeiter wechselt aus einer operativen Funktion in eine andere Abteilung. Für die neue Aufgabe erhält er zusätzliche Berechtigungen. Die bisherigen Rechte werden nicht vollständig entfernt. Monate später besitzt das Konto Zugriff auf Bereiche, die für die aktuelle Tätigkeit nicht mehr benötigt werden.

AM BEISPIEL ABSICHERN

Identitäten über ihren gesamten Nutzungsweg steuern

01
Identität eindeutig zuordnen

Personen, technische Konten und privilegierte Identitäten müssen einem nachvollziehbaren Zweck und Verantwortlichen zugeordnet sein.

02
Berechtigung aus Aufgabe ableiten

Rechte entstehen aus einer konkreten Funktion oder Aufgabe – nicht daraus, dass sie „schon immer vorhanden“ waren.

03
Authentisierung angemessen absichern

Je höher Wirkung und Privileg, desto stärker müssen Zugang und Nutzung geschützt werden.

04
Privilegierte Nutzung besonders behandeln

Administrative Rechte werden begrenzt, nachvollziehbar genutzt und soweit erforderlich über PAM kontrolliert.

05
Änderung und Entzug erzwingen

Rollenwechsel, Austritt und regelmäßige Reviews müssen unnötige Rechte tatsächlich entfernen.

DENKFEHLER

Multi-Factor Authentication (MFA) oder PAM lösen nicht das Berechtigungsproblem

Starke Authentisierung kann ein Konto besser schützen. PAM kann privilegierte Nutzung kontrollieren. Beides beantwortet aber nicht automatisch, ob eine Person diese Berechtigung überhaupt noch benötigt.

Tool ersetzt nicht Methode: Erst Ownership, Rollenmodell, Genehmigung, Lifecycle und Review machen technische Identity-Werkzeuge zu einer steuerbaren Capability.
OUTPUT & EVIDENCE

Woran sich funktionierende Identity Governance erkennen lässt

Identity InventoryKonten und Verantwortliche sind zuordenbar
Access DecisionZweck, Genehmigung und Rolle sind nachvollziehbar
Privileged EvidencePrivilegierte Nutzung ist kontrollierbar
RecertificationReviews führen auch zu Entzug und Korrektur
Nächster GRC-Schritt: Auffällige oder überhöhte Rechte werden als Finding bzw. Risikoinformation weitergegeben; Änderungen werden nachverfolgt und erneut geprüft.
LERNHILFE · ZERO TRUST

„Im internen Netz“ ist kein Berechtigungsgrund

NIST SP 800-207 beschreibt Zero Trust als Architekturprinzip ohne implizites Vertrauen allein aufgrund von Netzwerkstandort oder Eigentum. Der praktische Lernpunkt für Identity Security: Zugriff wird für eine konkrete Ressource, mit aktuellem Kontext und überprüfter Identität entschieden.

RESSOURCE

Was soll konkret genutzt werden?

SUBJEKT

Welche Person, Rolle, Anwendung oder welches Gerät fordert Zugriff an?

KONTEXT

Welche Identität, Gerätezustand und weitere Merkmale sind aktuell bekannt?

ENTSCHEIDUNG

Ist dieser Zugriff jetzt, für diese Ressource, in diesem Umfang zulässig?

Beispiel: Der Kollege arbeitet heute aus dem Homeoffice

Sein Konto ist dasselbe wie gestern im Büro. Trotzdem darf die Netzwerkposition allein nicht entscheiden. Identität, Gerät, angeforderte Ressource und Richtlinie werden erneut betrachtet. Ein zuvor erlaubter Zugriff auf Anwendung A bedeutet nicht automatisch Zugriff auf Anwendung B.

Abgrenzung: Zero Trust ist kein Produkt und bedeutet nicht „niemandem vertrauen“. Es bedeutet, Vertrauen nicht pauschal aus Standort oder Zugehörigkeit abzuleiten und Zugriffe explizit zu authentisieren und zu autorisieren.

Vertiefung: NIST SP 800-207 – Zero Trust Architecture.